erstellt am: 22.05.2013 | von: | Kategorie(n): Specials


Ein Artikel im Autoda - der Gebrauchtagen-Blog von Verena

Seit Monaten freuen wir uns auf die Testfahrt mit dem Morgan 3-Wheeler und heute ist es endlich soweit! Ein Blick aus dem Autoda-Fenster sorgt für Besorgnis: Dicke Regenwolken hängen so tief am Himmel, dass man sich an ihnen fast den Kopf stoßen könnte – aber unsere Motivation lässt sich nicht bremsen. Ein Anruf beim Hamburger Morgan Park in Barsbüttel lässt die Sonne zumindest in unseren Köpfen strahlen: Es bleibt bei dem vereinbarten Termin zur Probefahrt. Von dem Abenteuer trennen uns jetzt nur noch 8 Bahnstationen und 20 Taxikilometer –los geht`s!

 

Take me down to Barsbüttel city

im himmel: der 3-wheelerDa steht er: Zwei bordeauxrote Sitze ducken sich einladend im glänzend grauen Lack. An vorderster Front thront der Schnurrbart aus dem 2-Liter-Harley-Motor, dessen zwei Auspuffrohre wie Koteletten seitlich an der Karosserie bis zum Heck entlangwuchern. Die zwei vorderen Räder recken sich absprungbereit zur Seite, das hintere lauert unter der Blechhaube, die ein Gerippe aus Eschenholz bekleidet. Der 3-Wheeler hat in seinem ganzen Leben noch kein Fließband sehen müssen: Alles wurde per Hand gesägt, gefräst und zusammengeschraubt.

 

Wir entscheiden uns für das kleinere Lenkrad, schrauben es in die Fassung und klettern in das Cockpit – von Türen keine Spur. Beim Ein- und Ausstieg muss man sein Bein wie bei einem Roundhousekick, bloß eben im sehr kleinen Stil, über die Seitenwand heben, ohne dabei das Auspuffrohr zu berühren. Andernfalls können Brandlöcher im Hosenbein die Folge sein, denn das Rohr wird während der Fahrt so heiß, dass man ein Schnitzel darauf braten könnte. Der akrobatische Akt ist aber völlig unproblematisch: „Der älteste Kunde, der bei uns einen 3-Wheeler kaufte, war 86 Jahre alt.“, erzählt uns Nina Schadebach, unsere Ansprechpartnerin im Morgan Park. Der 3-Wheeler bückt sich so tief auf den Asphalt, dass keiner die Kletterprobe zu fürchten braucht.

 

Abflugbereit

Mit dem Griff nach dem Gurt schnallen wir uns das Jahr 1909 an. Dass der 3-Wheeler seinem prähistorischen Vorgänger wie aus dem Lack geschnitten ist, lässt einen vergessen, dass man eigentlich in einem Neuwagen sitzt, der erst 2012 sein Comeback feierte.

 

In den gemütlichen Ledersitz geschnallt, ist meine Jeans gefühlt ungefähr fünf Zentimeter vom Asphalt entfernt. Mein  Blick klettert über die kurze Frontscheibe, die mir etwa bis zur Stirn reicht. Über mir brodelt das unendliche Wolkenmeer der Hansestadt – es blickt auf uns herab, so viel ist sicher.

 

Viel Schnack, kein Schnick

Bei dem 3-Wheeler besteht jedes Material vor allem aus Gesprächsstoff. Auf sämtliches Dies und Das wird angenehmerweise verzichtet. Im Armaturenbrett hausen vier Knöpfe: Nebelscheinwerfer, Scheinwerfer, Warnblinker und Hupe lassen sich darüber an- und ausschalten. Eine Fünfgangschaltung, Handbremse, Startknopf – und das war`s dann auch schon mit den integrierten Bedienelementen.

 

Wir drehen den Zündschlüssel um, betätigen den Startknopf und der Motor meldet sich lautstark zu Wort. Im Takt des euphorischen Grollens zieht sich ein Beben durch die Karosserie. Wer jetzt noch zu bremsen ist, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen.

 

Viel Lärm um Viel

in fahrtNach unserer Abfahrt in Barsbüttel wollen wir zuerst die unendlichen Weiden des Alten Lands entdecken. Wo sich sonst Besinnlichkeit auf Grasdünen sonnt, wollen wir heute für den tollsten Krach sorgen, den man sich als Autofahrer nur vorstellen kann: Mit gröhlendem Motor und wehenden Haaren preschen wir dem Gemüseanbauidyll entgegen. Über uns verdichtet sich das Wolkengebirge zu der Drohung, dass der Himmel mit einsteigen will. Doch bisher sind wir die einzigen, die es in der Umgebung donnern und aus Fotoapparaten blitzen lassen. Elbufer, zieh dich warm an!

 

Bemerkenswert ist übrigens der Start aus dem Stand: Es empfiehlt sich, den Fußabdruck gut zu dosieren – raketengleich flitzt man im Anschluss dem Horizont entgegen.

 

Mehr Dezibel als Stangenspargel

Ich sehe es deutlich: Die Stille presst sich die Hände auf die Ohren, alles was zwei Beine hat, sieht dem 3-Wheeler jedoch mit Begeisterung hinterher. Mit geschlossenen Augen glaubt man, sich bei Windstärke 9 an der See zu befinden – Bloß das Salzwasser riecht nach Benzin.

 

Willkommen auf der Insel

Wir schütteln uns die Landluft aus den Wimpern und schalten in den City-Süd-Modus – der äußere Arm wandert auf die blecherne Seitenwand und macht es sich dort im Wind gemütlich. Der 3-Wheeler begibt sich nun klanglich zu Seinesgleichen und lässt die Grünflächenidylle in der Vergangenheit zurück. Wir treten auf das Gaspedal durch und scheppern dem Innenstadtsmog entgegen.

 

Ein Labyrinth aus Fabrikgebäuden

Gefangen zwischen LKWs verschiedener Größen, sammeln wir zahlreiche erhobene Daumen, manchmal wird der 3-Wheeler fotografiert. Die Fahrfreude ist ungebremst und das trotz mittelmäßiger Orientierungslosigkeit. Wilhelmsburg – für dich wurden Navis erfunden. Abenteuerlicher ist es natürlich ohne.

 

Von der Insel in den sicheren Hafen

morganEndlich haben wir uns aus dem Straßengewirr hinaus in die nördliche Innenstadt entheddert. Unser Ziel ist der Fischmarkt und der Weg ist zur Abwechslung endlich klar. Während der Fahrt hagelt es Blitze. Zum Glück aus Fotoapparaten, denn der Himmel scheint sich schon bald anschließen zu wollen.

 

Zum Mittagessen am Fischmarkt bekommen wir zahlreiche Fragen zu dem 3-Wheeler serviert. Kaum ist die letzte Kartoffel verschwunden, wirft auch der Regen das Handtuch. Die Sehnsucht zieht uns zurück auf die Sitze des 3-Wheelers. Nach einem kurzen Besuch unseres Autoda-Büros geben wir den 3-Wheeler schweren Herzens wieder in Barsbüttel ab.

 

Wir danken dem Hamburger Morgan Park ganz herzlich für diesen tollen Tag und empfehlen den Morgan 3-Wheeler jedem, der anstelle eines zweckmäßigen Fahrzeugs lieber einen unerschöpflichen Endorphinvorrat in seiner Garage parken möchte.

 

 

  • Technische Daten
  • Leistung
    82 PS (60 kW)
  • Antrieb
    Fünfgang-Handsch.
  • VmaX
    185 km/h
  • Verbrauch
    7,9 Liter
  • Beschleunigung
    ca. 6 Sek.
  • Preis
    36.000 Euro (exkl. St.)

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 abgegebene Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5 Sternen)
Loading ... Loading ...

Ähnliche Artikel:

Tags: , , , , ,





Autoda - follow us